FIX UND FERTIG – Fertiggerichte auf dem Prüfstand

Fertigprodukte – von den einen werden Sie geliebt von den anderen strikt abgelehnt. Mittlerweile gibt es sie mit und ohne Geschmacksverstärker, mit Bio-Produkten oder ohne aber eins ist sicher: sie sind vor allem praktisch. Doch Bequemlichkeit hat bekanntlich ihren Preis. Tiefkühlprodukte und andere konservierte Lebensmittel benötigen, bevor sie im Supermarktregal landen, mehr Energie als frische saisonale Produkte.

So verursacht Obst und Gemüse, das in Konserven oder in der Tiefkühltruhe landet, etwa dreimal mehr CO2-Äquivalente als frisches verzehrtes. Werden Tiefkühlprodukte länger als zwei Wochen im heimischen Gefrierfach gelagert, verschlechtert sich ihre Klimabilanz noch zusätzlich.

 Die Weltreise der Fertigpizza…

Allgemein lässt sich sagen: Je mehr Verarbeitungsschritte ein Lebensmittel bis zum Verkauf durchläuft, desto mehr Energie benötigt es. Aber was ist, wenn die Verarbeitungsschritte in einer Fabrik denen zuhause gegenübergestellt werden? Aufgrund der hocheffizienten Zubereitung ist beispielsweise eine Tiefkühlpizza nicht klimaschädlicher als eine selbst zubereitete Pizza. Beide verursachen pro Portion bis zu zwei Kilogramm CO2. Welche Nebenwirkungen die industrielle Fertigung für Mensch, Tier und Umwelt hat, verrät die Klimabilanz aber nicht.

2008 wurden allein in Deutschland etwa 800 Millionen Tiefkühlpizzen verkauft. Welche Zutaten in der Pizza stecken, lässt sich auf der Verpackung nachlesen, woher sie allerdings kommen nicht. In einer Fertigpizza stecken bis zu 12.000 Transportkilometer und jede Zutat erzählt eine eigene Geschichte. Auch die Produkte für die Pizza werden meistens in konventioneller Landwirtschaft angebaut, in der viele Pestizide zum Einsatz kommen. Die Milch und der Käse stammen von sogenannten Hochleistungskühen aus Massentierhaltung, die Salami wurde zum Beispiel in Polen produziert, weil die Lohnkosten günstiger sind. Aus diesem Grund werden jährlich bis zu 1,5 Millionen Tonnen lebende Schweine und Schweinefleisch aus Deutschland in andere EU-Staaten exportiert. Und das Mehl wird meist von wenigen Großkonzernen produziert, die den Welthandel dominieren und die Preise für die Bauern vorgeben.

Auf den Spuren einer Tiefkühlpizza offenbaren sich globale Zusammenhänge unserer Ernährung, die eine reine CO2-Bilanz nicht erfassen kann. Es lohnt sich also in jedem Fall, die Zutaten selbst auszuwählen die Pizza selbst frisch zuzubereiten

 

 

Quelle: Balz, J., Blekker, J., Demrovski, B. Keller, J., Noll, C., Zinsius, C. (2015): Das Klimakochbuch, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH  Co. KG, Stuttgart

Quelle: Verbraucherzentrale NRW - Beratungsbüro Troisdorf, Gabi Bock